Die Geschichte der Oberen Mühle ist voller politischer Diskussionen, Brände und Kulturpessimismus; aber auch voller Erfolge, Zustimmung, Freude und Ehrgeiz. Dank dem Engagement vieler Personen ist das Kulturzentrum auch heute noch mit Leben gefüllt – es wird getanzt, Musik gespielt und gehört, gemalt und ausgestellt, gegessen, gelacht und gestaunt. 

Den Quellen zufolge wird die Obere Mühle im Mittelalter 1368 zum ersten Mal erwähnt, als der edle Ritter von Breitenlandenberg ebendiese der holden Berta von Hünenberg als Erblehen verkaufte und bestimmt traurig seufzte: «Oh ich vîl armer! Verlorn ist diu müle.»   Leider wurde nicht ermittelt, was sich auf dem Areal der heutigen Oberdorfstrasse 15 befand. Doch man kann davon ausgehen, dass es bereits zumindest ein grösseres Gebäude gab. Denn knapp 200 Jahre später, im Zuge der Reformation, ging die Mühle an das Siechenhaus an der Spanweid in Zürich über (Siechenhäuser waren Absonderungsstätten für Aussätzige. Lepra-Erkrankte wurden zum Schutz der Gesellschaft in solchen Institutionen untergebracht). 

Ab 1572 wechselte der Gebäudekomplex mehrmals die Hand und gelangte in den Besitz verschiedener Familien, deren Erben zum Teil auch heute noch in Dübendorf leben: 

 

1582  Jörg Gossweiler


1720 Familie Wuhrmann


1821 Rudolf Wuhrmann (welcher anstelle des Vorgängerbaus das heutige Mühlegebäude errichten. Erst 13 Jahre später kam das heute noch bestehende Wasserrad hinzu). 


1850 Rudolf Baer


1932 der erste Nichtmüller und Gemeinderat Kappeler - die Firma Kappeler und Schüle mahlte in der Mühle kein Korn mehr, sondern stellte Tierfutter her. Durch die erschwerte Rohmaterialbeschaffung nach Kriegsausbruch kam es zu Widerhandlungen gegen kriegswirtschaftliche Vorschriften, was zur Schliessung der Mühle im Jahr 1940 führte. 


1942 Paul Willi 


1962 wurde die Mühle aus finanziellen Gründen stillgelegt und von der Stadt Dübendorf erworben, jedoch bis 1972 an den Futtermittelhändler Willi Berger verpachtet. Danach nutzte die Stadt einige Räume als Materialmagazin und Aufenthalt für den Strassendienst; ab 1979 wurde das Mühlegebäude ein Zuhause für eine zwölfköpfige vietnamesische Flüchtlingsfamilie. 


Bevor 1978 die Scheune in Flammen aufging, was den Gemeinderat Hans-Rudolf Baumberger und ein 7-köpfiges Komitee von Kulturschaffenden aus Dübendorf zu einer Initiative für die Nutzung der Oberen Mühle als Kultur- und Begegnungszentrum bewegte, bestand der Gebäudekomplex aus dem Haupthaus, der Senfmühle, der alten Schmitte, dem Ökonomiegebäude und der eben erwähnten Scheune. Laut der 1985 vom Volk mit einer Zweidrittelmehrheit angenommenen Initiative „Für ein Kulturzentrum Obere Mühle“ (juhuii!) sollten diese Gebäude für das Kulturzentrum genutzt werden, doch im Laufe der Jahre brannten zusätzlich die alte Schmitte und das Ökonomiegebäude ab. Gerade letzteres hinterliess eine schmerzliche Lücke. Diese wird im Rahmen vom alljährlichen Kleinkunstfestival „Chrüz und Quär“ mit einem Zirkuszelt mit einem Fassungsvermögen von 250 Personen gefüllt. Doch im restlichen Jahr können maximal 120 Gäste zu den Veranstaltungen zugelassen werden - diese sitzen je nach Veranstaltung eng zusammengekuschelt unter dem Dachgiebel. Zur Zeit wird zum x-ten Mal die Realisierung des noch ausstehenden Saals geplant: Wir sind gespannt. 


Seit der Eröffnung im Jahr 1990 ist einiges geschehen. Drei Leiter haben bislang das Geschehen in der Oberen Mühle massgeblich geprägt: Philippe Rey (1990 – 2002, der grosse Projekte wie das in guitar – Festival, die Lesereihe Fünf um 5 oder die Weihnachtsausstellung in Gang setzte), Michel Good (2003 – 2007, der den Fokus vermehrt auf Eigenproduktionen legte) und Rolf Hiltebrand (2007 – heute, der der Kleinkunst eine grosse Bühne bietet). Sowohl dank diesen, den Mitarbeiter, den Mitgliedern des Stiftungsrates und des Stiftungsförderungsvereins sowie dank den Künstlern und Gästen und weiteren Freunden der Oberen Mühle kann das Kulturzentrum weiterhin ein vielseitiges und spannendes Programm garantieren.  

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